Was bewirkt pfluglose Bodenbearbeitung? – Eine Betrachtung des Bodens als System und seine Reaktion auf veränderte Bodenbearbeitung

Der Boden ist die Grundlage für das Pflanzenwachstum und damit für die landwirtschaftlichen Erträge. Der Boden selber ist wiederum ein Produkt des Zusammenspiels einer Vielfalt von natürlichen Faktoren, wie die Gesteinsverwitterung, Pflanzenwachstum, Witterung, und menschlichen Faktoren wie die Bodenbearbeitung.

Auf die Frage „wie wirkt sich pfluglose Bodenbearbeitung auf den Boden und das Pflanzenwachstum aus?" gibt es dementsprechend keine simple Antwort. Vielmehr muss der Boden als komplexes System verstanden werden, das bei einer Änderung der Anbauverfahren in Abhängigkeit der Standortfaktoren auf vielfältige Art und Weise „reagieren" kann.
Ohne den menschlichen Eingriff ist der Boden ein sich selbst regulierendes Ökosystem. Die ackerbauliche Nutzung unterbricht jedoch durch das Entnehmen der Pflanzendecke die darin ablaufenden natürlichen Kreisläufe. Die Bodenbearbeitung selber ist dabei einer von vielen Faktoren, die auf das System einwirken - der Erfolg einer Umstellung hängt von dem Zusammenspiel aller auf den Boden wirkenden Faktoren, aller ablaufenden Prozesse und deren Wechselwirkungen ab. Im Klartext: wenn der „Faktor Bodenbearbeitung" verändert wird, müssen zum Erreichen desselben Ertrags auch andere Faktoren des Systems Boden reguliert, also angepasst werden.

 

Abbildung zum System Boden

Wechselwirkungen von Abläufen im Boden bei der Pflanzenproduktion, die Einfluss auf die Wahl der Bodenbearbeitung haben.

 

Die Abbildung veranschaulicht die Komplexität der für das Pflanzenwachstum relevanten Eigenschaften des Bodens und deren Wechselwirkungen. Eine Umstellung des Anbausystems wirkt sich auf alle grundlegenden Funktionen des Bodens aus, was sowohl für landbauliche als auch ökologische Belange bedeutend ist.
Für die landwirtschaftliche Produktion relevant ist der Einfluss der Bodenbearbeitung auf die Pflanzenverfügbarkeit von Wasser und Nährstoffen, Änderungen der Bodentemperatur, Unkraut- und Schädlingsdruck und Befahrbarkeit. Auch die ökologischen Bodenfunktionen - z.B. Wirkung als Filter und Puffer, Wasserspeicher - werden von einer Umstellung der Bodenbearbeitung beeinflusst.


Die landwirtschaftliche Ertragsbildung ist jedoch nicht nur von den landbaulichen Maßnahmen (linker Balken) abhängig, sondern auch von den natürlichen Standortfaktoren (oberer Balken) und dem Bodenzustand, der wiederum Wechselwirkungen zwischen natürlichen und anthropogenen Standortfaktoren einerseits und den zahlreichen ablaufenden Prozessen andererseits (Felder in der Mitte der Grafik) unterliegt. Diese können eingeteilt werden in Eigenschaften des Bodens (oben links, braun), Prozesse des Pflanzenwachstums und –Abbaus (Mitte, grün), des Bodenwasserhaushaltes (rechts, blau) und des Nährstoffhaushaltes (unten, gelb), die wiederum eng miteinander vernetzt sind. Einige davon wirken kurzfristig, andere können zu einer langfristigen Veränderung des Bodenzustands und der Ertragsbildung beitragen.

 

Einerseits wird hier klar, dass die Wirkungen pflugloser Bodenbearbeitung auf landwirtschaftliche Produktion und Umwelt abhängig vom Kontext der anderen auf den Boden und die Pflanzenproduktion einwirkenden Faktoren sind.

Andererseits hilft die Vorstellung des Bodens als System zum einem besseren Verständnis der notwendigen Anpassungen im Anbausystem als Ganzes: wird der eine Faktor „Bodenbearbeitung" minimiert, müssen die Funktionen (Schaffung eines günstigen Bodengefüges, Belüftung, Wasser- und Nährstoffversorgung, Optimierung des Saatbettes, Unkrautbeseitigung) durch alternative Maßnahmen ersetzt werden, also alle pflanzenbaulichen Maßnahmen (z.B. Aussaatdichte, Düngung, Pflanzenschutz, Zwischenfruchtmanagement) an den neuen landwirtschaftlichen Produktionsprozess angepasst werden.


Mit dem Verständnis des Bodens als System können die Strategien der Bodenbearbeitung an den Standort angepasst und optimiert, sowie Lösungen für Probleme gefunden werden, was die Chance auf Erfolg pflugloser Bodenbearbeitung verbessert.

 

Weiterlesen:

Welche Auswirkungen hat also eine Umstellung der Bodenbearbeitung von Pflug auf Pfluglos auf den Boden? Was hat diese für pflanzenbauliche und ökologische Konsequenzen?

Wovon hängt der Erfolg der Umstellung ab?

 

Weiterführende Links:

Details aus der Forschung zur pfluglosen Bodenbearbeitung in Form einer Bibliografie und von Versuchsergebnissen finden sich wie folgt aufgegliedert:

Auswirkungen auf den Boden (physikalisch / chemisch / biologisch)

Auswirkungen auf die Umwelt (Kreisläufe Wasser, Nährstoffe, Schadstoffe, Gase, Erosion)

Auswirkungen auf landwirtschaftliche Belange (Feldaufgang, Erträge, Verhalten von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, Krankheiten, Populationsentwicklung von Schädlingen und Nützlingen, Wirtschaftlichkeit)

Natürliche und anthropogene Faktoren, die das Ausmaß der Auswirkungen bzw. den Erfolg pflugloser Bodenbearbeitung beeinflussen – daraus abgeleitet dann die Strategien /Konsequenzen für den Landbau

Im Praxis-Kapitel werden auf der Basis der Kenntnisse über das System Boden Strategien, Probleme und Lösungsansätze für den Landbau unter pflugloser Bodenbearbeitung dargestellt.

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